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Auszug aus der Einleitung

Erotik schreiben - Wie Sie Sex-Szenen literarisch gestalten

Sex spielt eine große Rolle.

Seit ich 1995 die erste Ausgabe von Erotik schreiben verfasste, hat sich immer wieder gezeigt, dass Sex in unseren privaten und öffentlichen Leben bestimmend ist. Sex spielt eine große Rolle – aber hat er sich in den vergangenen sechs Jahren auch verändert? Mit einem Wort: Ja. Als Erklärung dafür reichen drei Worte: Cyberspace. AIDS. Monica. Für viele von uns und für die Gesellschaft als Ganzes hat jedes dieser Phänomene die Art und Weise, wie wir Sex definieren, übermitteln, umsetzen und erfahren, verändert – so sehr, dass die Herausgeber und ich der Meinung waren, es sei Zeit, einen Blick darauf zu werfen, wie stark sich diese Veränderungen in der Literatur niedergeschlagen haben. In der heutigen Belletristik findet man Hinweise auf E-Mail und Internet fast ebenso häufig wie auf das Telefonieren. Flirts, Anbahnungen und sexuelle Stimulation via Netz sind in der Literatur so üblich geworden wie im wirklichen Leben. Die Briefromane des 18. Jahrhunderts – Gefährliche Liebschaften, Clarissa, Pamela – finden ihr zeitgenössisches Pendant in Matt Beaumonts witzigem Roman E-Mail an alle, der komplett als E-Mail-Korrespondenz verfasst ist, die in einer Londoner Werbeagentur kursiert. Nach all den Jahren, in denen wir mit AIDS konfrontiert werden, ist es selbst für die konservativsten literarischen Figuren selbstverständlich geworden, Kondome bei sich zu haben und ein paar ernste Worte zum Thema Schutz zu wechseln, bevor man miteinander ins Bett geht – eine deutliche Veränderung zu den Werken, die ich vor sechs Jahren las. Damals wurde dieses Thema fast immer ignoriert. Und dann wäre da noch das, was ich den »Monica-Effekt« nenne. Ich will nicht sagen, dass Miss Lewinsky zu einem populären literarischen Motiv geworden ist, obwohl Philip Roth seinen neusten Roman Der menschliche Makel im Sommer der Beschuldigung Clintons ansiedelt, wie es auch John Updike in Rabbit Remembered tut. Nicht zu vergessen Francine Prose, die in ihrem Roman Durchtrieben indirekt Kenneth Starr und seine Hexenjagd durch den Kakao zieht. Was ich mit dem »Monica- Effekt« wirklich meine, ist die Tatsache, dass die lange Zeitspanne von gut zwei Jahren, in denen wir das Liebesleben des Präsidenten privat und öffentlich diskutiert haben, die Standards für die Themen, die auf einer Abendgesellschaft erlaubt sind, nachhaltig gelockert hat. Die Erfahrung, den Starr-Report in der New York Times zu lesen, war ein kultureller Wendepunkt: Nun, da all diese dirty details in der Zeitung der Nation ausgebreitet worden waren, konnte niemand mehr vorgeben, unschuldig zu sein. Wir wissen jetzt, was manche Menschen alles tun, um ihre sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, und wir wissen, dass andere nur darauf warten, sie öffentlich zu machen und für politische Zwecke zu nutzen. Und wir haben erfahren, wie teuer es die Betreffenden – finanziell und in anderer Hinsicht – zu stehen kommen kann. In unserem Zeitalter der Beichten, Geständnisse und des Reality-TV ist das Private politisch – oder zumindest nicht länger privat. Vor dreißig Jahren schockierte Philip Roth mit seiner Romanfigur Alex Portnoy, der mit einer Scheibe roher Leber onanierte, die literarische Welt und die übrige dazu. Als ironische Referenz zu dieser literarischen Wende eröffnete Francine Prose ihren Roman Durchtrieben mit einem Professor für Kreatives Schreiben, der seine Studenten eine Kurzgeschichte besprechen lässt, in der ein Teenager »ein rohes Hähnchen im Licht des Familienkühlschranks vergewaltigt«. Sex spielt eine große Rolle, und egal aus welchem Blickwinkel man es betrachtet – die Rolle hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. Mit diesem Gedanken und reichlich Stoff aus Werken der neueren Literatur Schreiben das Glück, erneut Interviews mit Edmund White und Charles Baxter führen zu können. Ich sprach mit Darin Strauss, der in seinem im Jahr 2000 veröffentlichten Erfolgsdebüt, Chang und Eng, auf der Basis weniger authentischer Informationen Liebesszenen zwischen den Siamesischen Zwillingen und ihren Frauen erfand. Ich habe ein neues Kapitel über Intimitäten im Internet hinzugefügt und eines über Hochzeitsnächte und Flitterwochen, weil ich in der neueren Literatur viele wundervolle Bei- spiele dafür gefunden habe. Auch ein Kapitel über das AIDS-Bewusstsein im Jahr 2001 ist dazugekommen. Zudem hatte ich das große Vergnügen, Beispiele aus neuen Werken zitieren zu dürfen, die entweder witzig, clever, originell, psychologisch und sprachlich gelungen oder alles zusammen sind. Dabei stellte ich überrascht fest, wie viele Autorinnen und Autoren ausgesprochen gut über Sex, seine Vergnügungen, Belastungen, Folgen und Geheimnisse schreiben können. Die neuen Beispiele, die ich zur Illustration herangezogen habe, stammen von Autoren aus den Vereinigten Staaten, England, Irland und Indien. Es war nicht einfach, aus einer solchen Fülle auszuwählen. Es scheint, als käme jede Woche ein neuer Roman oder eine neue Kurzgeschichtensammlung hinzu, die ich lesen müsste. Selbst jetzt, kurz vor Drucklegung, bin ich hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, noch mehr Bücher durchzusehen, und der Verpflichtung, meinen Termin einzuhalten. Und so bitte ich all die, die hier nicht erwähnt werden können, um Verzeihung.  

Können Sie einen Roman in einem Jahr schreiben?

Können Sie überhaupt einen Roman schreiben?

Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden.

Louise Doughty

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