Schreibanregungen für Übungstexte mit Gedichtzeilen
Viele erfolgreiche Schriftsteller schreiben täglich, selbst wenn sie nicht an einem Roman oder einem Stück arbeiten – zur Übung und Lockerung. Wie Sportler trainieren sie Geist und Fantasie und beschäftigen ihre Kreativität. Möchten sie das auch?
Hier finden Sie jede Woche eine neue Schreibanregung, Gedichtzeilen, manchmal auch nur Fragmente, die mir begegnet sind und besonders gefallen haben. Vielleicht helfen sie auch Ihnen ein bisschen, in den Arbeitsrhythmus eines Profischreibers zu kommen?
Diese Seite ist für Ihre Übungstexte gedacht. Sie sollten kurz sein, können Prosa sein und an die Gedichtzeile anknüpfen:
Es ist immer derselbe Traum ...
(Hermann Hesse: Traum)
Fremde Menschen lächelten mit halboffenem Mund
(Jachym Topol: "Zuhause machte ich Licht an")
ich werde nicht sagen schau mir in die augen kleiner
(Katrin Stange "aschermittwoch")
Du darfst dich nicht gewöhnen
(Hilde Domin: "Mit leichtem Gepäck")
Mein Auge ist ein / Tier
(Ana Blandiana: Mein Auge)
Ich möchte nicht mehr sein, der ich bin
(J.R. Wilcock: "Unschuldiger Traum")
Ich trage ihn – den Namen – wie ihn die Pflanze trägt
(Erika Burkart: Niemand heißt heute Erika)
Es muss eine Sucht sein, eine gewaltige Begierde / in den kleinen Körpern der Falter
(Kurt Drawert: "Rauch")
Zwischen uns fiel der Regen des Vergessens
(Peter Huchel: "Verona")
Das Abseits ist kein Ort auf Dauer
(Ursula Krechel "Weißheit")
Wende die dunkle / Traumfeder
(Franz Liebl: Kindheit)
Wenn du als schwarzer Vogel gleitest und schreist wenn du zu sprechen ansetzt
(Daniela Danz: Masada)
Im Dunkel der Schränke / reifen die Sommerkleider
(Ulrich Koch: März)
Bis ich eintauche/ in die Pupille deines aufmerksam/ lesenden Auges
(Jürg Halter alias Kutti MC)
Mit dem Hunger/der Raubtiere heben wir unseren weichen/Leib auf den Stein
(Antonia Pozzi: "Dolomiten"
Kümmere dich/ nicht um die Wölfe in welcher Gestalt auch immer/ sei freundlich/ geh weiter ...
(Silke Scheuermann: Der Wolf)
Ich will nicht wissen, was du getrieben hast
(Ursula Krechel: "Geblendet vom Mond, marode Maisonette")
Wir sollten nicht die Dämmerung im Zimmer löschen
(Antanas A. Jonynas: "Grenzgebiet")
Warum bringst du deiner Geliebten kein / Souvenir aus deinen Träumen mit?
(Antanas A. Jonynas: "Tequila in der Rue Savoie")
Der Teufel sitzt nachts / im Beichstuhl des Nebels
(Peter Huchel: "Wintermorgen in Irland")
Die blume die ich mir am fenster hege / Verwahrt vorm frost in der grauen scherbe
(Stefan George: Die blume die ich mir am fenster hege)
Als ich Brennesseln essen musste,
(Christa Kozik: "Frühe Kindheit)
Manche meinen, wir sollten unseren / privaten Frust aus dem Gedicht / raushalten, abstrakt bleiben / und dafür spricht schon einiges, / aber Menschenskind, 12 Gedichte weg / und ich mache nie Durchschläge ...
(Charles Bukowski: An die Nutte, die meine Gedichte gestohlen hat")
du sagst, die nacht/ muss das blatt wenden
(Markus Simon: Aber was kommt, was kommt)
Man kann eine Lüge nicht beten
(Les Murray: Dichtung und Religion)
Es gibt für uns keinen Park
Anna Schewelew: Es gibt für uns keinen Park)
Du bist durch meine Bilder spaziert
(Jan Volker Röhnert: "Ballette")
unter den fingern zerfällt der abend
(Raoul Schritt: Physikalische Optik II)
Plötzlich tritt sie, in den Wind gehüllt,
(R.M.Rilke: "Dame auf einem Balkon")
Ich wartete auf das Diktat der Stille
(Olga Orozco: "Der Rest war Stille")
Ein Bild geprägt in Münzen der Erinnerung
(Herman Melville: "Die Äolsharfe - Im Gasthof zur Brandung")
Jeder träumte von einer anderen Tür
(Michael Krüger: "Die Schlüssel")
Da alle Wolken reisen um Mitternacht
(Arno Schmidt: "Trunkner im Dunkel")
Selbst unsre Seufzer gingen auf Scheckkarte
(H.M. Enzensberger: "Kurze Geschichte der Bourgeoisie")
Auch an blauen Tagen wirst du verlassen
(Hilde Domin: "Ein blauer Tag")
Ich hab vor deinem Hause still gestanden
(Gertrud Kolmar: "Märchen")
Ich schicke mein Selbst hinaus/zu dir durch strömenden Regen
(Paula Meehan: Nachtgebet)
Wir vertrauen einander keine Geheimnisse an
(Sándor Weöres: "Grammatische Personen")
Du könntest vieles sagen, was mir nützt./Wenn auch ein Wort nichts weiter ist!
(Hugo von Hofmannsthal: "Schlaflose Mörderin")
Wir werden zwischen zwei Versen gehen/wo die Wörter uns nicht fangen ...
(Iain Crichton Smith: "Wir werden gehen")
sanftmütiger wir sind uns irgendwo begegnet
(Wolfgang Hilbig: "später nachruf l.g.")
Am Samstag fragt man: Fred, wie geht's?
(Simone Borowiak "Hessen nimmt Abschied von Freddy Mercury")
Warum bringst du deiner Geliebten kein Souvenir aus deinen Träumen mit?
(Antanas A. Jonynas: "Tequila in der Rue Savoie")
Als kämen sie vom Ende des Lebens ...
(Saif ar-Rahbi: Bäume, die fortziehen)
Du trägst eine Blüte über dem Mund
(Johannes Bobrowski: Undine)
Auch er könnte Sommerlippen berühren und lächeln
(Dylan Thomas "Poet: 1935")
Als ich Platz nahm am Tisch in der kalten Veranda
(Henning Ziebritzki: "Der Höhepunkt der Exkursion")
Und meine Jahre sind ein Stein hinter mir
(Basim an-Nabris: "Ein Mann der Nostalgie")
keine angst ich geh von allein &
(Albert Ostermaier: "schneewittwchen")
Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
(Hans-Ulrich Klose: Zeit schreiben)
Und du bleibst immer bei mir, und du verlässt mich nicht
Jesse Thor: Rede von der Anschauung
Mein Gedicht hat Lust auf einen Dichter
(Evelyn Schlag: Die Stimmen der Dichter in Lissabon)
Jeder lebt von sich getrennt ...
(„Du oder ich oder wer“ von Hans Peter Keller)
Und sie kam eines nachts in die Seemannsbar
(Berthold Brecht: Ballade von der Hanna Cash)
Eines Tages fand ich auf der schwarzen Insel ...
Pablo Neruda (Sonne des Meeres)
Wie wünsch ich mir du würdest dich erinnern
(Jacques Prévert: Die toten Blätter)
Es war die Nacht, in der sie nicht mehr lachten
(Karl Krolow: Es war die Nacht)
Ihr rotes Haar, das wie ein Vorhang fiel
(Peter Maiwald: Hanne)
Wir sitzen alle im gleichen Zug
(Erich Kästner)
Wenn du weggehst, greifen die erleuchteten Fenster nach dir...
(Walter Helmut Fritz)
Es dürfen Kinder aus dem Kopf geboren werden ...
(Johannes Kühn: Die Steinbrecher kommen)
Du glaubst, es gäbe keine Engel mehr,
(Anne Morrow Lindbergh: Keine Engel mehr)
Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen
(Else Lasker-Schüler: Ein Liebeslied)
Ich sagte ihm, dass ich jede Nacht von sechs bis sieben an diesem Tische säße
(W.B. Yeats: Schöne erhabene Dinge)
Das Herz ist ein geräumiger Friedhof
(Heiner Müller: Neujahrsbrief 1963)
... sie tragen ihr Ich herum wie eine Gladiole
(Beat Brechbühl: Wie tropfende Mutterkühe stehen die Wolken stumm in der Landschaft)
Ich fühle mich wie ein Tier in seinem Fell
(Roman Ritter: ("Einen Fremden im Postamt umarmen")
Spätabends an der Wohnungstür / erscheint ein Freund vom Herzrevier
(Herta Müller)
Und wieder mir träumte, ich wäre geflogen
(Karl Kraus: Traum vom Fliegen)
Liebe fragt Liebe: "Sag warum du weinst?"
(Börris von Münchhausen: Ballade vom Brenesselbusch)
Für viele stirbt ein Wort, wenn es gesagt
(Emily Dickinson)
Wie erklär ich das / in der Fußgängerzone / morgens um zehn
(Otto Jägersberg: Liebe)
Der Teufel soll die Sehnsucht holen!
(Ricarda Huch)
Solange noch Liebesbriefe eintreffen
(Helga M. Novak)
Wir begegnen uns höflich, / sagen: Wie nett, sich nach Jahren wiederzusehen.
(Wislawa Szymborska: Überraschendes Wiedersehen)
Angst habe ich vor Küssen / Als wären es Bienen
(Paul Verlaine 'Armer junger Hirt')
Ich weigre mich Masken zu tragen ...
(Inge Müller: Masken)
Das süße Lächeln starb dir im Gesicht ...
(Theodor Storm: Begegnung)
Ich mach ein Lied aus Stille ... / Und aus Septemberlicht ...
(Eva Strittmatter: Vor dem Winter)
Immer sitzen sie vor den falschen Cafés
(Matthias Politycki, Touristen)
Meine Gedanken strecken sich nach dir aus
(Max Dauthendey, Komm heim!)
Am siebten Tage aber legte Gott die Hände in den Schoß und sprach:
(Robert Gernhardt)
Ich schrieb und schrieb / Das Grün ins Gras
(Inge Müller, Sufen)
die bitteren stricke / die mich an dich binden
(Elke Schmitter, Kein Spaniel)
Irgendwo in dieser Straße, mir völlig unbekannt ...
('Der gute Nachbar' von John Burnside, Übers. Jan Galbraith)
Ein Mädchen/ in/ schwarzen/ Strümpfen/ schön, wie/ sie herankommt ...
('Einfaches Bild' von Rolf Dieter Brinkmann)
Draußen steht ein großer fremder Tag ...
('Bin so allein' von Rainer Maria Rilke)
Ich seh dich mit deinem traurigen Kater …
('Lieber' von Herbert Achternbusch)
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Leserbeiträge zu:
Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
vom 16.04.2008 (Hans-Ulrich Klose: Zeit schreiben)
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Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Jetzt wohne ich
in der nach ihm benannten Straße
und fürchte mich nicht mehr.
Erst kannte ich ihn nicht
wußte nicht wer er war
ein Kind nimmt den Namen so hin
nur Erwachsene verlangen nach der Bedeutung
eines Namens und einer Funktion.
Er war ein unerreichtes Vorbild
ich voller Ehrfucht vor seinen Taten
bis ich älter wurde
und sein Glanz verblasste
weil ich jetzt auch wichtig war.
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Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Kenne ihn aber trotzdem nicht. In Gedanken laufe ich noch immer auf der “nach Dir benannten Strasse” und schau mir die Graffittis an. Da ist es auch im Winter warm.
Ich bin auch gern auf Deiner Insel, und leg’ mich in den Sand mit einem Drink in der Hand.
Du stehst in meiner Vergangenheit wie ein schwerer Stein, Dich hab’ ich gern. Du kleine Obsession stehst in meiner Zeit, ich denke oft an Dich.
Aber das Leben geht weiter, ohne Deine Gegenwart, das muss ich akzeptieren.
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Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
er war der Komponist
mit dessen Übungsstücken
sie mich in Kindertagen quälten
weil ich nicht lernen durfte was ich gern gelernt.
Klavier, so sagte meine Mutter, sollt ich lernen
doch meine große Liebe galt den Violinensternen.
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Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Ein Mensch?
Nein ein Berg trägt diesen Namen.
Einst hörte ich die Episoden, die andere mit ihm verbanden:
Hier flogen die Segelflieger ihre Runden
bis sie nicht mehr durften, weil die Grenze zu nahe war.
Nach der Grenzöffnung gab es viel Streit
und das alte Haus war abgerissen.
Doch es haben sich Menschen gefunden,
die es neu aufgebaut haben
und eine alte Kultur weiterpflegen und neu beleben.
Und ich wohne jetzt in der nach ihm benannten Straße...
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Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Sein Name ist für den Menschen das liebste Wort. Auch wenn der Name nicht so einmalig wie der einzelne Mensch ist. Der Name der Straße erinnert mich daran, dass ich nicht erste mit diesem Namen bin. Und meine Kinder werden meinen Namen weitertragen. So wird auch die Erinnerung an mich für immer erhalten bleiben.
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Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Schwarzgelber Mondstaub glänzt im Rinnstein
Morgens, wenn ich des Denkens müde heimkehre
rinnt grauer Tau seinen Namen hinab
Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Das Echo seiner Schreie hallt mir nach
Ich lese seine Schritte im Asphalt
sein Name klagt an, wo er trösten soll
Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Ascheregen legt sich schwer auf meine Lider
Wenn er durch meine Träume reist und Geister jagt
Er lacht
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Sehr eindrucks- und bedeutungs-volle Bilder, die Gefühl und Fantasie fordern - Raum lassen, diesen selbst ganz individuell zu fülllen. Gefällt mir wirklich gut, Kerstin. LG Bärbel
Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Immer wenn dieser Gedanke in mein Bewusstsein dringt
erscheint ein Lächeln auf meinem Gesicht.
Die Erinnerung, an unzählige Fahrten, mit Papa,
-on the Road-, wie er immer sagte.
Ich höre noch die Countrymusic im Radio,
mein Papa neben mir laut Dave Dudley singend,
lachend winke ich den anderen Truckern zu
als sie vorüber fahren.
Dies war die schönste Zeit meiner Kindheit,
nur wenige Jahre später getrübt durch die Krankheit,
welche Papa heimtückisch überfiel
und ihn von uns riss.
Danach blieb das Radio stumm und ich
entfernte mich von diesen Platz der Erinnerungen.
Mich zog es in die große Stadt, und wie es der Zufall will,
jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße,
benannt nach dem Manne, den mein Papa so verehrte,
der Dave Dudley Street.
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Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Fast scheint es mir
es war erst gestern
als ich ihn sah
- ihn lächeln sah -
daß mir der Atem stockte.
Fast scheint es mir
es war erst gestern
als er dann kam
die Hände nahm
die sich entgegenstreckten.
Fast scheint es mir
es war erst heut'
als er mit warmer rechter Hand
die meine in die seine nahm
und mir sein Lächeln schenkte.
Fast scheint es mir
als hätte ich
mein Leben lang
an ihn gedacht.
Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße.
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Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
und werde nicht mehr umziehen,
nie mehr die Wohnung wechseln,
denn ich wohne in der nach dir benannten Straße
Draußen wird's Frühling
und das blaue Band weht durch diese Straße,
die nach dir benannt wurde,
nach dir, mon amour,
nach dir.
Wie soll ich das verkraften ?
sag du es mir, sag's mir,
ich warte, ich warte bis ich dahin bin
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Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße –
Und wie ich die Erinn'rung an ihn hasse:
Geschichte über Bismarck, damals endlos reingepaukt,
bis mein Gehirn wie ein verwaschner Lappen ausgelaugt.
Genau der Frust, der hat sich ziemlich festgefahren
im Laufe meiner Schulzeit vor fast vierzig Jahren.
Die Rache blüht – und zwar auf meine eig'ne Weise:
Wenn ich den Namen heute sehe, schlag ich eine Schneise
und dreh mich absichtsvoll zur andern Straßenseite:
Du hast genug genervt, dich überseh ich heute.
Und weiter habe ich noch 'ne feine Sache,
wie ich am alten Fürsten übe meine Rache:
Ich esse Hering gern und oft – und zwar in allen Variationen,
nur „Bismarck's“ nicht. Statt dessen ess ich lieber dicke Bohnen.
Selbst den berühmten Schnaps in dunkelgrüner Flasche
vermeide ich. Es gibt genug, was ich gern flüssig nasche.
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